60 internationale AktivistInnen besetzen das Hauptquartier des Gold Unternehmens in Rosia Montana, Rumänien

Am Donnerstag, den 28. September 2011, besetzten über 60 internationale AktivistInnen des Reclaim the Fields Camps [1] zusammen mit der lokalen Organisation Alburnus Maior [2] aus Rosia Montana, Rumänien, das Hauptquartier des Goldunternehmens „Rosia Montana Gold Corporation“ (RMGC) [3] auf dem Hauptplatz des Dorfs. Während zwei Stunden blockierten sie das Hauptquartier mit Transparenten und lautstarker Samba-Musik, woraufhin das Büro für den restlichen Tag geschlossen wurde.

Der Protest richtete sich gegen das geplante Vorhaben des Goldunternehmens und der rumänischen Regierung, die größte Tagebau-Goldmine Europas zu errichten. Diese würde das Dorf Rosia Montana zerstören und hunderte von in der Region ansässigen Familien vertreiben. Anstelle der kleinbäuerlichen Strukturen und dem aus vorrömischer Zeit stammenden kulturellen Erbe gäbe es eine verwüstete Landschaft inklusive eines Zyanid-See. Die geplante Zyanid-basierte Risikotechnologie könnte zu katastrophalen Unfällen führen, die die Wasserversorgung in Rumänien und angrenzenden Regionen gefährden. Die von RMGC angekündigte Verwendung neuer Zyanid-reduzierender Technologien wäre laut neuesten Erkenntnissen um ein Vielfaches teurer als ursprünglich geplant [4].

Die starke lokale Opposition gegen das Minenprojekt begann direkt im Jahr 2000, als das Projekt vom kanadischen Unternehmen Gabriel Resources angekündigt wurde. Seitdem ist der Widerstand innerhalb Rumäniens und auf internationaler Ebene gewachsen. Während der letzten zehn Jahre konnte die Organisation Alburnus Maior mit ihrer „Rettet Rosia Montana“-Kampagne erfolgreich tausende Menschen mobilisieren und bisher die Durchführung des Bergbauprojekts verhindern.

Die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Minenprojekt wurde 2008 vom Umweltministerium abgebrochen, nachdem einige illegale Vorgangsweisen des Minenunternehmens aufgedeckt wurden. Des Weiteren konnte die Zivilgesellschaft mehrere Gerichtsverfahren gegen das Goldunternehmen gewinnen, bei denen bewiesen wurde, dass das Minenprojekt auf illegalem Weg zu Stande kam, einen hohen Grad an Korruption aufwies und die lokale Bevölkerung unter Druck gesetzt wurde.

Laut Gesetz müsste das Minenprojekt von vorne begonnen werden. Dennoch beabsichtigt der neue rumänische Umweltminister Laszlo Borbely, die Fortführung des Projekts ohne Abweichungen zu erlauben – eine klare Missachtung der Gerichtsbeschlüsse sowie des rumänischen und europäischen Umweltrechts.

Die rumänische Regierung scheint erpicht darauf zu sein, die Interessen der RMGC trotz des lokalen und internationalen Widerstands zu unterstützen. Vor kurzem wurde im rumänischen Parlament ein neues Enteignungsgesetz vorgeschlagen, welches noch im Oktober verabschiedet werden soll. Dieses Gesetz würde privaten Unternehmen ermöglichen, anstelle des rumänischen Staates und Rechtssystems Zwangsenteignungen der lokalen Bevölkerung durchzuführen. Dies stellt eine klare Menschenrechtsverletzung dar.

Im Gespräch mit den AktivistInnen, welche das Hauptquartier des Unternehmens besetzten, wies dessen Sprecherin Catalin Hosu jegliche Verbindung zwischen dem Goldunternehmen und dem geplantem Gesetz zurück und behauptete, dass sie von diesem Gesetz keinen Gebrauch machen würden. Im Gegenzug kündigten die AktivistInnen weitere Aktionen an, sollte dieses Versprechen nicht eingehalten werden.

Auf EU-Ebene verweigert die Europäische Kommission den Entwurf eines Gesetzes über das Verbot der Verwendung von Zyanid im Bergbau, wie dies in einer Resolution des Europäischen Parlaments von Mai 2010 gefordert wurde.

Kontakt für weitere Informationen:

Rumänisch/Englisch/Französisch: 0040/746 337 022

Deutsch/Englisch/Spanisch: 0043/650 3773 102

E-Mail: camp@reclaimthefields.org

Anmerkungen: 

[1] Die Reclaim the Fields Bewegung (www.reclaimthefields.org) vereint Nahrungsmittel-ProduzentInnen und ErnährungsaktivistInnen aus ganz Europa, die ihre lokale Praxis mit globalen politischen Kämpfen verbinden. Reclaim the Fields wendet sich gegen die Interessen von Unternehmen und Projekten, die den Zugang zu Land für Nahrungsmittelproduktion verringern, lokale Gemeinschaften unterdrücken und ihre Lebensgrundlagen zerstören. Vom 21.-30. September 2011 findet das erste internationale Solidaritäts-Camp in Rosia Montana, Rumänien statt, an dem mehrere hundert AktivistInnen aus ganz Europa teilnehmen. Die Veranstaltung wird organisiert von Reclaim the Fields sowie Alburnus Maior (www.rosiamontana.org), mit Unterstützung der rumänischen BäuerInnenorganisation Eco Ruralis (www.ecoruralis.ro) und vielen weiteren Organisationen und Individuen aus ganz Europa.

[2] Alburnus Maior repräsentiert die lokale Opposition in Rosia Montana gegen die größte geplante Goldmine Europas welche die Zerstörung von Rosia Montana und einem weiten Teil des Apuseni Gebirges in Rumänien zur Folge hätte. www.rosiamontana.org

[3] Die Rosia Montana Gold Corporation ist zu 19,31% verstaatlicht, unter den anderen Aktionären befinden sich als Haupteigentümer Gabriel Resources, des weiteren Newmont und Barrick Gold.

[4] AFP, Lower cyanide level in Romanian gold mine to cost millions, 23.09.2011, http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5hXIMBYPJT-sYBLCZhIWJfy-sp_oQ?docId=CNG.eca6a9ad91bdb5676908fa2ea3090890.e1

Den Beitrag haben wir linksunten.indymedia entnommen

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