Interview mit der Anarcho-Syndikalistischen Initiative Rumäniens: „Arbeitende müssen ihre Arbeit und ihre Betriebe übernehmen und die Arbeiterselbstverwaltung auf allen Ebenen einführen“

Vor wenigen Wochen hat sich in Rumänien eine Anarcho-Syndikalistische Initiative gegründet. Die GenossInnen betreiben einen aktuellen und sehr informativen Blog und haben sich zum Ziel gesetzt, den Anarcho-Syndikalismus in der rumänischen arbeitenden Klasse bekannt zu machen. Wir führten mit unseren Genossen der IAS Rumänien ein Interview.

 

AS-Info Romania: Mit Freude sehen wir, das nun auch in Rumänien mit der Anarcho-Syndikalistischen Initiative ein seriöser Versuch unternommen wird, den Anarcho-Syndikalismus unter den Lohnabhängigen bekannt zu machen. Was führte zur Gründung eurer Anarcho-Syndikalistischen Initiative? Wie seit ihr auf den Anarcho-Syndikalismus gestoßen?

IAS Romania: [Durch] Das Bedürfnis für eine authentische klassenkämpferisch-anarchistische und anarcho-syndikalistische Perspektive und ebenso die Legitimierung der libertären sozialistischen Tradition als Ganzes in der rumänischen Gesellschaft. Nach den ersten Gehversuchen mit einigen anderen Projekten empfanden wir, das die aktuelle anarchistische Szene in Rumänien den klassenkämpferischen Anarchismus ignoriert, den Klassen-Charakter des Anarchismus aberkennt und nichts anderes hinterlässt, als einen „alternativen Fashion und Lifestyle“ aus ihm zu machen. Wir dachten, das eine ideologisch motivierte Initiative geschaffen werden muss, eine Initiative die aktuelle Alternativen zu Kapitalismus und Staatlichkeit präsentiert. Wir sahen keine Alternativen in der aktuellen rumänischen anarchistischen Szene, keine ideologische Praxis, keine Einheit, nichts das einer aktuellen sozialen und politischen Bewegung ähnelt. Zum zweiten Teil der Frage; nun gut, ihr wisst wie sie sagen, AnarchistInnen werden nicht gemacht, sie werden geboren. Ich persönlich denke das Anti-Autoritarismus Teil der menschlichen Natur ist, genauso wie Gier oder Unterwürfigkeit gegenüber Autorität and ähnliche Dinge. Das Problem ist, das der Kapitalismus als ökonomisches System eine soziale Umwelt schafft, die Leute in diesem Weg formt, Eigenschaften wie Solidarität, Anti-Autoritarismus usw. werden weggestoßen für andere Eigenschaften, wie z.B. Unterordnung unter Autorität und Habgier. So denke ich, das ich schon immer ein Anarchist war, soweit meine Bedürfnisse reichen, doch der Kollaps des Neo-Stalinismus in Rumänien und die Auswirkungen eines wilden und barbarischen Kapitalismus, führten mich zur anarcho-syndikalistischen Vereinigung von Anti-Autoritarismus und Klassenlosigkeit.

AS-Info Romania: Gibt es eurer Meinung nach Erfolgsaussichten für die Entwicklung einer Gewerkschaft aus eurer aktuellen Initiative heraus? Was sind eure Ideen, die Initiative bekannter zu machen?

IAS-Romania: Die Initiative ist ziemlich neu, gerade einmal zwei Wochen alt, denke ich. Und interessant ist, so Neu wir auch sind, das dass Feedback das wir bekommen, wirklich gut ist, doch für jetzt können wir noch nicht an die Bildung einer Gewerkschaft denken. Die Initiative in ihrem jetzigen Zustand ist ein rumänisches anarcho-syndikalistisches Informations-Bulletin, und die Hauptabsicht davon ist, Aufmerksamkeit zu erzielen und vielleicht in naher Zukunft eine Gewerkschaft aus ihr heraus zu bilden. Die Initiative ist fürs erste also nur ein Beginn. Wir wollen uns ausdehnen und soziale Ziele verfolgen die von der rumänischen Arbeiterklasse verstanden werden können. Wir möchten alles aufgreifen, von den alltäglichen Arbeitskämpfen zu Alternativen bei Arbeitsproblemen bis schlussendlich Alternativen zum Kapitalismus insgesamt. Dies führt auch wieder zu ersten Frage zurück. In Rumänien hatten wir nie solch eine Initiative, die stalinistischen Parteien benutzen noch immer das ewiggestrige Argument (in dem Sinne: Früher war alles besser – Anm. AS-Info-Romania) und lassen Probleme der Arbeiterklasse unbeachtet und Menschen zurückblicken anstelle nach vorne, vorwärts zu einem neuen frischen Beginn.

AS-Info Romania: Nahezu jeden Tag haben Lohnabhängige und Erwerbslose neue Attacken der Regierung und des IWF auf den eh schon unakzeptabel niedrigen Lebensstandard zu ertragen. Was sind in euren Augen die angemessenen Mittel dafür, auf die fortgesetzten Verschlechterungen und Kürzungen zu antworten?

IAS-Romania: Wie ein alter Mann mir einmal sagte, sind arbeitende Menschen immer in einer ökonomischen Krise, und so sind diese, vom globalen Kapitalismus im Bündnis mit der Regierung angewendeten Maßnahmen nichts Neues für die rumänische Arbeiterklasse. Rumäniens Problem ist ein Welt Problem. Deswegen hat der Westen seine Augen auf uns gerichtet. Seit 20 Jahren haben wir dieselben Probleme. Es ist nicht das erste mal das der IWF Geld an uns leiht und wir schwere Kürzungen durchführen. In den letzten 20 Jahren war Rumänien in konstanter Krise, weder die quasi-verstaatlichte sozialdemokratische Agenda half uns, noch die liberale, die Resultate waren und sind dieselben, mehr erwerbslose Menschen, mehr Konzentration des Reichtums und größere Spaltung zwischen den Klassen. Die Opposition in diesem Land ist von reichen Geschäftsleuten kontrolliert und die von ihnen vorgeschlagenen Alternativen sind lächerlich. Alle Gewerkschaften stecken in den Taschen der Parteien, so dass die Opposition nicht wirklich eine Opposition ist. Ich denke, es gibt keine Hoffnung in Rumänien, eine breite Bewegung muss von anarcho-syndikalistischen Gewerkschaften gebildet werden, die zum Generalstreik und der direkten Übernahme aller Produktionsmittel übergehen. Arbeitende müssen ihre Arbeit und ihre Betriebe übernehmen und die Arbeiterselbstverwaltung auf allen Ebenen einführen. Wir müssen den Kapitalisten und Staatsanhängern zeigen, das arbeitende Menschen in der Lage sind ihr eigenes Leben ohne Staat und Kapitalisten zu führen.

AS-Info Romania: Welche Reaktionen habt ihr aus der kleinen anarchistischen Szene im Land auf eure Initiative erfahren? Habt ihr Unterstützung erfahren oder wurde die Idee des Klassenkampfs zurückgewiesen?

IAS-Romania: Wie ich bereits sagte, bis jetzt haben wir nur positive Rückmeldungen von einigen wenigen Leuten erhalten, doch wir wissen, das die Mehrheit der anarchistischen Szene hier um die Punk-Szene herum gebildet ist und keine Idee oder Interesse von/an klassenkämpferischem Anarchismus hat. Wie ich bereits zu Beginn über den Anarchismus in Rumänien sagte; die meisten selbsterklärten Anarchisten sind Punks, die mehr in Fussball-Hooliganismus involviert sind als in aktuelle Aktivitäten oder es sind Punks, die sich einem alternativen Lebensstil zugewendet haben – so das es hier keine ideologische Basis gibt.

AS-Info Romania: Habt ihr bereits öffentliche Aktivitäten unternommen um ArbeiterInnen über eure Initiative zu informieren und welcher Art waren die Reaktionen? Habt ihr ein Magazin oder eine andere Publikation?

IAS-Romania: Wie ich sagte sind wir noch sehr neu und noch immer in der Entwicklung. Wir sind nicht in einer Stadt konzentriert und dadurch ist es schwierig in Bewegung zu kommen. Doch in der nächsten Zukunft wollen wir die Herausgabe einer Publikation vorbereiten, ebenso wie die Agitation auf Arbeitsstätten und in Gewerkschaften. Aktuell versuchen wir Leute in der Initiative zusammen zu bringen so dass wir eventuell wirklich eine Gewerkschaft aufbauen können.

AS-Info Romania: Habt vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit eurer Initiative!

Die Homepage der IAS-Romania findet sich hier:

http://iasromania.wordpress.com/

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